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Im Gegensatz zu anderen Hochrisikotechnologien, in denen der Einsatz von ‚Notfallchecklisten‘ strengen regulatorischen Anforderungen unterworfen ist und Mitarbeiter zur Anwendung verpflichtet sind (z.B. Luftfahrt), befinden wir uns in der Anästhesiologie noch am Anfang eines Prozesses, in dem wir die Anwendungsmöglichkeiten und konkreten Vorgehensweisen erst herausfinden müssen, ganz ohne regulatorische Vorgaben.  

Insofern können wir Ihnen nicht vorschreiben, wie Sie eGENA verwenden „sollen“, sondern allenfalls Anregungen und Empfehlungen dafür geben, wie Sie einen häufigen Einsatz von eGENA an Ihrem Haus begünstigen und eine erfolgreiche Implementierung wahrscheinlich machen können.

Davon unbenommen möchten wir jedoch vorab zwei Dinge klarstellen, die Sie unbedingt weiterhin so machen sollten:

  • Alle vitalen Probleme die ein sofortiges Handeln erfordern werden auch weiterhin aus dem Gedächtnis abgearbeitet. Die Durchführung lebensrettender Maßnahmen muss sicher beherrscht werden und kann nicht an eine ‚Notfallcheckliste‘ delegiert werden. Keinesfalls darf sofortiges Handeln dadurch verzögert werden, dass zunächst eGENA geöffnet und nach den Sofortmaßnahmen gesucht wird. In der Luftfahrt spricht man auch davon, dass zunächst kritische ‚memory items‘ abgearbeitet werden, bevor eine externe Hilfe zu Rate gezogen wird.                                                                                                                                        
  • Berufsanfänger rufen bei Problemen außerhalb ihres Kompetenzbereichs auch weiterhin ihre zuständigen Fach- oder Oberärzte. eGENA wurde entwickelt, um erfahrene Teams darin zu unterstützen, noch besser zu werden, nicht aber, damit der Unerfahrene sich in Situationen beweisen kann, die jenseits seiner Expertise liegen.
 

Anwendungsmöglichkeiten im Notfall

  • Überprüfen von Handlungsschritten auf Vollständigkeit: Sobald sich die Dynamik eines Notfalls etwas beruhigt hat werden die entsprechende Seite in eGENA aufgerufen und die Handlungsitems mit den erfolgten Maßnahmen abgeglichen. Vergessene Maßnahmen können dadurch bemerkt und nachgeholt werden.                                                                                                                                                                                                                                                      
  • Vorlesen der Handlungsschritte und Ausführung durch das Team: In seltenen Notfällen und moderatem Zeitdruck kann ein Teammitglied die entsprechenden Seiten in eGENA aufrufen und die Handlungsitems vorlesen. Die Maßnahmen werden durchgeführt und durch das Teammitglied bestätigt. Aufgrund der Darstellung im Querformat können die entsprechenden Seiten in eGENA auch durch mehrere Teammitglieder gleichzeitig eingesehen werden. Dies trägt zur Bildung eines gemeinsamen mentalen Modells bei.  

Bei beiden Vorgehensweisen ist im Augenblick noch die Frage ungelöst, welche Berufsgruppe (Pflege/Ärzte?) oder Qualifikationsstufe (Oberarzt/Facharzt/Assistent) für den Aufruf von eGENA und für das Vorlesen der Seiten („code reader“) verantwortlich sein sollte.   

 

Anwendungsmöglichkeiten im Alltag

  • Selbststudium
  • Grundlage für Unterricht oder Mentoring
  • Vorbesprechung (‚Briefing‘) möglicher Komplikationen bei einem konkreten Patienten
  • Nachbesprechung (‚Debriefing‘) eines Zwischenfalls

Erste Erfahrungen mit der Implementierung von papierbasierten Notfallmanualen zeigen, dass die Verwendung einer Gedächtnis- und Entscheidungshilfe im Notfall positiv damit korreliert, wie vertraut die Anwender mit der ‚Notfallcheckliste‘ waren. Je häufiger diese im Alltag zu unterschiedlichsten Gelegenheiten verwendet wurde, desto häufiger wurde im Notfall daran gedacht, diese zu verwenden (1, 2).

Hier sind Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt. Sollten Sie diesbezüglich gute Erfahrungen mit einer neuen Idee gesammelt haben, dann lassen Sie es uns bitte wissen. Wir teilen sie gerne auf dieser Seite mit Anderen.  

1.            Agarwala AV, McRichards LK, Rao V, Kurzweil V, Goldhaber-Fiebert SN. Bringing Perioperative Emergency Manuals to Your Institution: A "How To" from Concept to Implementation in 10 Steps. Jt Comm J Qual Patient Saf. 2019;45(3):170-9.

2.            Alidina S, Goldhaber-Fiebert SN, Hannenberg AA, Hepner DL, Singer SJ, Neville BA, et al. Factors associated with the use of cognitive aids in operating room crises: a cross-sectional study of US hospitals and ambulatory surgical centers. Implement Sci. 2018;13:50.