Die DGAI hat Prof. Dr. med. Agnes Meidert vom LMU Klinikum München und Dr. med. Jakob Wittenstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit dem Karl-Thomas-Preis 2026 ausgezeichnet.

Kassel. Im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) sind Prof. Dr. med. Agnes Meidert vom LMU Klinikum München und Dr. med. Jakob Wittenstein vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden mit dem Karl-Thomas-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Der von der Firmengruppe B. Braun Melsungen AG gestiftete Preis würdigt bedeutsame wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 2.500 Euro wird zwischen den beiden Preisträgern geteilt.

Individuelle Blutdrucksteuerung bei großen Bauchoperationen

Prof. Dr. Agnes Meidert erhält die Auszeichnung für ihre im Fachjournal „JAMA“ veröffentlichte Arbeit „Individualized Perioperative Blood Pressure Management in Patients Undergoing Major Abdominal Surgery – The IMPROVE-multi Randomized Clinical Trial“. Darin untersuchte sie gemeinsam mit ihrem Forschungsteam, ob eine individuell auf die Patientinnen und Patienten abgestimmte Blutdrucksteuerung bei großen Bauchoperationen das Risiko für postoperative Komplikationen senken kann. Die Studie zeigte keinen Vorteil gegenüber der Standardbehandlung. Damit stützen die Ergebnisse den etablierten mittleren arteriellen Blutdruck von mindestens 65 mmHg als praktikablen Zielwert während der Operation. 

Agnes Meidert wurde 1984 in Wasserburg am Inn geboren und studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Universität München. Seit 2020 ist sie Fachärztin für Anästhesiologie und arbeitet heute als bereichsleitende Oberärztin an der Klinik für Anaesthesiologie am LMU Klinikum München. 

Studie vergleicht Beatmungsstrategien bei Lungenoperationen

Dr. Jakob Wittenstein wird für seine im Fachjournal „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlichte Arbeit unter dem Titel „Effects of intraoperative higher versus lower positive end-expiratory pressure during one-lung ventilation for thoracic surgery on postoperative pulmonary complications (PROTHOR): a multicentre, international, randomised, controlled, phase 3 trial“ ausgezeichnet. Die internationale Studie untersuchte, wie Patientinnen und Patienten bei thoraxchirurgischen Eingriffen möglichst lungenschonend beatmet werden können. Bei solchen Operationen wird häufig vorübergehend nur eine Lunge beatmet. 

Dr. Wittenstein und sein Forschungsteam verglichen dabei zwei unterschiedliche Strategien: eine Beatmung mit höherem positivem endexspiratorischem Druck (PEEP) und zusätzlichen Manövern zur Entfaltung der Lunge mit einer Strategie mit niedrigerem PEEP. Die aufwendigere Beatmungsstrategie konnte zwar die Sauerstoffversorgung verbessern, führte jedoch zu mehr Blutdruckbeeinträchtigung und konnte Lungenkomplikationen nach der Operation nicht stärker reduzieren. Die Ergebnisse sprechen dafür, die Beatmung an die individuelle Kreislauf- und Sauerstoffsituation der Patientinnen und Patienten anzupassen.

Jakob Wittenstein wurde 1989 in Frankfurt am Main geboren und studierte Humanmedizin an der Technischen Universität Dresden. Seit 2025 ist er Facharzt für Anästhesiologie und arbeitet als Clinician Scientist an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden. 

Wissenschaftliche Leistungen sichtbar machen

Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“

Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der anästhesiologischen Forschung steckt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, die Medizin von morgen und damit die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“

Die DGAI gratuliert Prof. Dr. Agnes Meidert und Dr. Jakob Wittenstein herzlich zu ihrer Auszeichnung und dankt der Firmengruppe B. Braun Melsungen AG für ihr Engagement zur Förderung der anästhesiologischen Forschung.