Kassel. Im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) sind Dr. med. Tore Marks von der Universitätsmedizin Greifswald und Anja Laska vom LMU Klinikum München mit dem BINZ Forschungsförderpreis der DGAI 2026 ausgezeichnet worden. Das von der Stiftung BINZ, Ulm, bereitgestellte Forschungsstipendium ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert und wird in diesem Jahr zu gleichen Teilen an die beiden Preisträger vergeben. Die Stiftung BINZ fördert damit wissenschaftliche Projekte im Bereich der Notfallmedizin, insbesondere an der Schnittstelle zwischen prähospitaler Notfall- und klinischer Akutmedizin.
Ohrsensor soll Vitalparameter bei Notfallpatienten kontinuierlich erfassen
Anja Laska erhält das Forschungsstipendium für ihr Projekt „Nichtinvasive, kontinuierliche und multiparametrische Vitalparameterüberwachung mittels Photoplethysmographie (PPG) im äußeren Gehörgang bei Notfallpatienten – Validierung und klinische Evaluation im Schockraum“. Darin untersucht sie, ob ein nichtinvasiver Sensor im Ohr wichtige Vitalparameter von Notfallpatientinnen und -patienten zuverlässig und kontinuierlich erfassen kann. Der besondere Fokus liegt auf der Blutdruckmessung: Die intermittierende Messung mit einer Oberarmmanschette kann gerade bei kreislaufinstabilen Patientinnen und Patienten unzuverlässig sein. Der Ohrsensor kann neben dem Blutdruck auch Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz und Körpertemperatur kontinuierlich erfassen.
Anja Laska wurde 1992 in Straubing geboren und studierte Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2025 ist sie Fachärztin für Anästhesiologie am LMU Klinikum. Ein Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit liegt auf dem hämodynamischen Monitoring und der postoperativen Patientenversorgung.
Studie untersucht langfristige Bindung von Ersthelfenden
Dr. Tore Marks wird für das Projekt „ENGAGE-CFR study: European multi-centre study to evaluate ENGAGEment, retention and user behaviour of Community First Responders dispatched to Out-of-hospital cardiac arrests“ gefördert. Die europaweite Studie untersucht, welche Faktoren dazu beitragen, dass ehrenamtliche Ersthelfende langfristig in Smartphone-basierten Ersthelfersystemen aktiv bleiben. Diese Systeme alarmieren registrierte Helferinnen und Helfer bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand in ihrer Nähe zusätzlich zum Rettungsdienst, damit möglichst früh mit der Wiederbelebung begonnen werden kann. Marks möchte untersuchen, was die Motivation und Zufriedenheit der Ersthelfenden beeinflusst und welche Faktoren dazu führen können, dass sie sich aus den Systemen zurückziehen. Die Ergebnisse sollen helfen, Ersthelfersysteme langfristig zu stärken und die ehrenamtlich Engagierten besser zu unterstützen.
Tore Marks wurde 1993 in Dallas, Texas, geboren und studierte Humanmedizin an der Universität Greifswald. Bereits in seiner Promotion beschäftigte er sich mit Smartphone-basierten Ersthelfersystemen. Heute ist er Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik für Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald.
Wissenschaftliche Leistungen sichtbar machen
Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“
Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der anästhesiologischen Forschung steckt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, die Medizin von morgen und damit die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“
Die DGAI gratuliert Anja Laska und Dr. Tore Marks herzlich zu ihrer Auszeichnung und dankt der Stiftung BINZ, Ulm, für ihr Engagement zur Förderung wissenschaftlicher Projekte in der Notfallmedizin.
