Kassel. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) hat PD Dr. med. Benedikt Schick vom Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, mit dem Dierichs-Forschungsstipendium 2026 ausgezeichnet. Das von der Förderstiftung Dierichs, Mettmann, gestiftete Forschungsstipendium fördert wissenschaftliche Projekte zur Weiterentwicklung von Anästhesieverfahren und Anästhetika mit dem Ziel, die Patientensicherheit in der Anästhesie zu verbessern. Es ist mit bis zu 50.000 Euro dotiert.
Dr. Schick erhält die Förderung für sein Forschungsprojekt „NOL-MINI: Nociception Level Index – Measurement in Newborn and Infants“. Darin will er untersuchen, ob sich die Reaktion auf schmerzhafte Reize bei Früh- und Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während einer Narkose mithilfe eines speziellen Monitorings objektiver erfassen lässt.
Eine angemessene Schmerzbehandlung ist gerade bei Neugeborenen, Säuglingen und kleinen Kindern eine besondere Herausforderung. Während einer Narkose lässt sich nur indirekt beurteilen, wie ihr Körper auf potenziell schmerzauslösende Reize reagiert. Übliche Parameter wie Herzfrequenz oder Blutdruck sind insbesondere bei sehr jungen Kindern nur eingeschränkt aussagekräftig. Dadurch besteht sowohl das Risiko einer unzureichenden Schmerzbehandlung als auch einer zu hohen Gabe von Opioiden.
Im Projekt „NOL-MINI“ will Dr. Schick deshalb untersuchen, ob der sogenannte Nociception Level Index (NOL) eine objektivere Beurteilung ermöglichen kann. Das nicht-invasive Verfahren führt verschiedene Signale des autonomen Nervensystems zu einem Messwert zusammen und wird bereits bei Erwachsenen eingesetzt. In der geplanten Studie mit 60 Kindern vom Frühgeborenen bis zum Alter von unter fünf Jahren wird untersucht, ob der NOL unterschiedlich starke Reize zuverlässig abbildet und wie sich die gemessenen Reaktionen unter der Wirkung des Schmerzmittels Remifentanil verändern. Die Ergebnisse könnten langfristig dazu beitragen, die Schmerzbehandlung während einer Narkose individueller zu steuern und die Patientensicherheit zu verbessern.
Dr. Benedikt Schick wurde 1982 in Kempten im Allgäu geboren und studierte Medizin an der Universität Ulm. 2018 promovierte er dort mit einer Arbeit zum Delir bei Intensivpatientinnen und -patienten. 2023 erhielt er die Facharztanerkennung für Anästhesiologie. Seit 2024 ist er Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Ulm, seit 2026 stellvertretender Leiter der Sektion Kinderanästhesie und Mitglied der erweiterten Klinikleitung unter der ärztlichen Direktorin Frau Univ. Prof. Dr. Bettina Jungwirth.
Wissenschaftliche Leistungen sichtbar machen
Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“
Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der anästhesiologischen Forschung steckt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, die Medizin von morgen und damit die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“
Die DGAI gratuliert PD Dr. Benedikt Schick herzlich zum Dierichs-Forschungsstipendium 2026 und dankt der Förderstiftung Dierichs, Mettmann, für die Unterstützung der anästhesiologischen Forschung.
