Kassel. Im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) wurde Dr. med. Sebastian Pantke von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit dem Wilfried und Mira Philipp Forschungspreis der DGAI ausgezeichnet. Der von der Wilfried und Mira Philipp Stiftung gestiftete Forschungspreis wurde in diesem Jahr erstmals verliehen und wird künftig alle zwei Jahre vergeben. Mit einer Fördersumme von 50.000 Euro zählt er zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnungen der DGAI und fördert wissenschaftliche Projekte auf dem Gebiet der Schmerz- und Palliativmedizin. Mit dem Preis möchte die Stiftung zugleich junge wissenschaftliche Talente fördern und die Forschung zur Behandlung von Schmerzen voranbringen.
Dr. Pantke erhielt die Auszeichnung für sein Projekt „Microbiome-dependent modulation of nociceptive ion channel activity in murine dorsal root ganglia“ (deutsch: Mikrobiomabhängige Modulation schmerzrelevanter Ionenkanäle in den Spinalganglien der Maus). Darin untersucht er, wie das Darmmikrobiom die Zusammensetzung und Aktivität schmerzwahrnehmender und -leitender Nervenzellen beeinflusst. Zwar ist bekannt, dass Darmbakterien zahlreiche Prozesse im menschlichen Körper steuern. Bislang ist jedoch kaum verstanden, wie sie auf Nervenzellen wirken, die für Schmerzen verantwortlich sind.
Das Projekt soll aufklären, wie das Mikrobiom und dessen Signalstoffe die Aktivität bestimmter Ionenkanäle – also Rezeptoren, die für die Erregbarkeit von Nervenzellen entscheidend sind – verändern. Langfristig könnten die Ergebnisse dazu beitragen, das Zusammenspiel von Darmmikrobiom und Schmerz besser zu verstehen und neue Ansatzpunkte für die Behandlung chronischer Schmerzen zu eröffnen.
Sebastian Pantke wurde 1993 in Braunschweig geboren, studierte Humanmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und ist dort seit August 2020 als Assistenzarzt und Clinician Scientist an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin tätig. Bereits 2025 wurde er mit dem Sintetica-Forschungsstipendium der DGAI ausgezeichnet.
Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“
Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial insbesondere im wissenschaftlichen Nachwuchs steckt und wie aus exzellenter Grundlagenforschung die Medizin von morgen entstehen kann.“
Förderung der Schmerzforschung als besonderes Anliegen
Wilfried Philipp wurde 1928 im Sudetenland geboren und als Jugendlicher aus seiner Heimat vertrieben. Durch seinen Erfindergeist und mit großem persönlichen Einsatz schuf er den Weltmarktführer für Druckmaschinen TAMPOPRINT als sein Lebenswerk. 1965 entwickelte er das Modell für eine revolutionäre Druckmaschine, hatte aber keine Mittel zur Umsetzung. Ein Unternehmer erkannte seine Fähigkeiten und gab ihm ohne Sicherheiten spontan auf einer Messe das Geld, um die Maschinen marktfähig zu bauen. Diese Erfahrung prägte Wilfried Philipps Wunsch, später selbst junge Talente zu fördern und ihnen Chancen zu eröffnen. Da er zudem erlebt hatte, wie sehr Schmerzen das Leben eines Menschen beeinträchtigen können, war ihm die Förderung der Schmerzforschung ein besonderes Anliegen. Seine Witwe Mira Philipp stiftete deshalb in seinem Sinne und zu seinem Andenken den Wilfried und Mira Philipp Forschungspreis der DGAI.
Die DGAI gratuliert Dr. Sebastian Pantke herzlich zu seiner Auszeichnung und dankt der Wilfried und Mira Philipp Stiftung für ihr Engagement zur Förderung exzellenter Forschung in der Schmerz- und Palliativmedizin.
