Nürnberg. Eine erfolgreiche Wiederbelebung ist der erste entscheidende Schritt. Doch auch die anschließende Behandlung im Krankenhaus hat wesentlichen Einfluss darauf, ob ein Mensch einen Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt und mit welchen gesundheitlichen Folgen. Wie diese Versorgung verläuft und welche Ergebnisse erzielt werden, zeigt der neue Jahresbericht „Cardiac Arrest Center 2025“ des Deutschen Reanimationsregisters, das unter Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) steht.
Ausgewertet wurden 8.245 Behandlungsfälle aus 127 Kliniken in Deutschland. Das zentrale Ergebnis: 32,9 Prozent der Patientinnen und Patienten, die nach einer Reanimation zur weiteren Behandlung aufgenommen wurden, konnten das Krankenhaus lebend verlassen. Bei 26,9 Prozent wurde ein gutes neurologisches Ergebnis bei der Entlassung dokumentiert. Da die Teilnahme am Register freiwillig ist, bilden die Daten eine umfangreiche Stichprobe, jedoch nicht sämtliche Reanimationsbehandlungen in Deutschland ab.
Eine besondere Rolle bei der Versorgung spielen Cardiac Arrest Center (CAC). Diese spezialisierten Zentren verfügen über die personellen, technischen und organisatorischen Voraussetzungen für eine umfassende Weiterbehandlung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Dazu gehören eine intensivmedizinische Versorgung, die Möglichkeit zur raschen Herzkatheteruntersuchung und die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen nach festgelegten Abläufen.
„Mit der erfolgreichen Wiederbelebung ist die Behandlung längst nicht abgeschlossen“, sagt PD Dr. Stephan Seewald vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, der die Daten für den Jahresbericht ausgewertet hat. „In den Stunden und Tagen danach müssen die Ursachen des Herz-Kreislauf-Stillstands geklärt, lebenswichtige Organfunktionen stabilisiert und mögliche Folgeschäden begrenzt werden. Cardiac Arrest Center schaffen dafür die notwendigen Strukturen und bündeln die erforderliche medizinische Expertise.“
Patientinnen und Patienten, die in einer Klinik reanimiert werden mussten, überlebten etwas häufiger
Von den ausgewerteten Fällen entfielen 6.537 auf Menschen, die außerhalb eines Krankenhauses reanimiert und anschließend klinisch weiterversorgt wurden. In weiteren 1.708 Fällen erfolgte die Reanimation innerhalb einer Klinik. Nach einer Reanimation außerhalb des Krankenhauses konnten 32,2 Prozent der aufgenommenen Patientinnen und Patienten lebend entlassen werden, nach einer Reanimation innerhalb der Klinik waren es 35,5 Prozent. Auch ein gutes neurologisches Ergebnis wurde nach innerklinischer Reanimation häufiger dokumentiert (30,1 gegenüber 26,0 Prozent).
Bemerkenswert ist dies mit Blick auf das Alter: Innerklinisch Reanimierte waren mit durchschnittlich 71,5 Jahren gut sechs Jahre älter als außerklinisch Reanimierte (65,2 Jahre). Fast jeder Dritte von ihnen war über 80 Jahre alt.
Eine mögliche Erklärung für die höhere Überlebensrate ist der frühere Beginn der Wiederbelebung. Während der Rettungsdienst den Einsatzort im Durchschnitt nach 7,1 Minuten erreicht und zwischen Kollaps und Reanimationsbeginn durchschnittlich 5,6 Minuten vergehen, trifft das innerklinische Notfallteam im Mittel nach vier Minuten ein. In 80 Prozent der innerklinischen Fälle wurde bereits zuvor mit der Wiederbelebung begonnen.
„Diese Zahlen zeigen, wie entscheidend die ersten Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind“, betont Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. „Außerhalb einer Klinik kommt es deshalb besonders auf die Menschen an, die den Notfall unmittelbar miterleben. Wer sofort mit der Herzdruckmassage beginnt, kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken und damit die Überlebenschancen verbessern.“
Spezialisierte Behandlung nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand
Der Bericht gibt auch Einblick in die klinische Weiterversorgung. Bei 37,8 Prozent der Patientinnen und Patienten wurde eine Koronarangiographie durchgeführt – eine Untersuchung der Herzkranzgefäße, bei der Engstellen oder Verschlüsse erkannt und gegebenenfalls unmittelbar behandelt werden können. Nach außerklinischer Reanimation kam sie mit 41,1 Prozent häufiger zum Einsatz als nach innerklinischer Reanimation (25,1 Prozent).
Ein gezieltes Temperaturmanagement wurde bei 34,8 Prozent der Behandelten dokumentiert. Bei einem kleineren Teil kamen spezielle Kreislaufunterstützungsverfahren zum Einsatz. In 5,8 Prozent der Fälle wurde bereits während der Reanimation ein extrakorporales Kreislaufunterstützungssystem (ECLS) eingesetzt, das vorübergehend die Herz-Kreislauf-Funktion übernehmen kann.
Um die Versorgung weiterzuentwickeln, erfasst das Deutsche Reanimationsregister die gesamte Behandlungskette vom Rettungsdienst oder innerklinischen Notfallteam bis zur klinischen Weiter- und Langzeitversorgung. Die teilnehmenden Rettungsdienststandorte und Kliniken können ihre Ergebnisse auswerten, miteinander vergleichen und daraus Verbesserungsmöglichkeiten ableiten.
„Wir wollen nicht nur wissen, wie viele Menschen eine Reanimation überleben, sondern auch, unter welchen Bedingungen sie anschließend versorgt werden und mit welchem Ergebnis“, sagt Prof. Gräsner. „Die Registerdaten helfen uns, die gesamte Behandlungskette zu betrachten und zu erkennen, wo wir die Versorgung weiter verbessern können.“
