Die deutsche Anästhesiologie nimmt Abschied von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus van Ackern, der am 18.01.2026 im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen der prägenden Nestoren unseres Fachgebietes, sondern vor allem einen außergewöhnlichen Menschen, Arzt, Lehrer und Vorgesetzten, der über Jahrzehnte hinweg Generationen von Mitarbeitenden und Studierenden nachhaltig geprägt hat.
Klaus van Ackern wurde am 12. September 1941 in Essen geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wurde er dort 1969 zum Doktor der Medizin promoviert. Seine Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie schloss er 1975 am Institut für Anästhesiologie und Reanimation in Mannheim erfolgreich ab. Im selben Jahr habilitierte er sich im Fachgebiet Anästhesiologie und folgte seinem Mentor Professor Klaus Peter an das Institut für Anästhesiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Bereits 1980 wurde Klaus van Ackern auf eine C3-Professur für Anästhesiologie an der LMU München berufen. 1986 folgte er dem Ruf als Ordinarius für Anästhesie und Intensivmedizin an die Medizinische Universität zu Lübeck. 1989 übernahm er schließlich den Lehrstuhl für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – eine Position, die er bis zu seiner Emeritierung am 31. März 2009 innehatte. Aufgrund seiner herausragenden Führungsqualitäten wurde Professor van Ackern bereits 1989 zum stellvertretenden Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Mannheim gewählt und 1999 zum Ärztlichen Direktor. Darüber hinaus war er von 1991 bis 1999 sowie von 2001 bis 2011 Dekan der Medizinischen Fakultät Mannheim.
Neben seinem höchst erfolgreichen Wirken als Kliniker, Wissenschaftler und Hochschullehrer – dokumentiert durch über 300 wissenschaftliche Publikationen – prägte Klaus van Ackern die Entwicklung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) in besonderem Maße. 1996 war er Präsident der DGAI und wurde im Anschluss zum Generalsekretär gewählt – ein Amt, das er 13 Jahre lang bis 2010 ausübte. Anschließend übernahm er den Vorstandsvorsitz der neu gegründeten Stiftung Deutsche Anästhesiologie. Zudem war er von 1999 bis 2009 Sprecher des Konvents der Lehrstuhlinhaber für Anästhesiologie. Sein nachhaltiges Engagement für die europäische Anästhesiologie zeigte sich insbesondere in seiner Unterstützung des Zusammenschlusses der europäischen Fachgesellschaften zur European Society of Anaesthesiology (ESA) sowie in seiner Förderung osteuropäischer Kliniken.
Bei all seinen Ämtern und Funktionen blieb Klaus van Ackern stets dem Menschen zugewandt. In der klinischen Arbeit standen für ihn die Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt – mit Respekt, Empathie und einem tiefen Verantwortungsgefühl. Als Vorgesetzter gewährte er seinen Mitarbeitenden bewusst Freiräume, förderte Eigenständigkeit und Entwicklung und verstand Führung als Fürsorge. Viele erinnern sich an seine Verlässlichkeit, sein offenes Ohr und seine Bereitschaft, sich auch persönlich für die Belange der Mitarbeitenden einzusetzen.
Sein ausgleichendes Wesen, sein Verhandlungsgeschick und sein visionäres Denken machten ihn zu einer hochgeschätzten Persönlichkeit innerhalb und außerhalb des Fachgebietes. Sein Wirken wurde durch zahlreiche Ehrungen gewürdigt, darunter die Ehrendoktorwürde der Universität Cluj-Napoca (1999), der Verdienstorden in Gold der Republik Polen (2001), die Ehrenmitgliedschaft der DGAI (2007) und des Berufsverbands Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e.V. (BDA) im Jahr 2010 sowie die Heinrich-Braun-Medaille der DGAI (2012).
Die deutsche Anästhesiologie verliert mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus van Ackern eine herausragende Persönlichkeit. Sein fachliches Wirken, seine menschliche Haltung und seine Fürsorge gegenüber Patientinnen, Patienten und Mitarbeitenden werden unvergessen bleiben. Unser Fachgebiet sowie wir als Fachgesellschaft und Berufsverband werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren und ihm für sein Wirken dauerhaft verbunden bleiben.
Prof. Dr. Gernot Marx,
Präsident DGAI
Prof. Dr. Grietje Beck
Präsidentin BDA
Prof. Dr. Alexander Schleppers
Hauptgeschäftsführer BDA / DGAI
