Koblenz. Im Rahmen des 17. Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongresses (DINK) sind im Beisein des rheinland-pfälzischen Innenministers Michael Ebling der Deutsche Preis für Notfallmedizin sowie erstmals der Innovationspreis in der Notfallmedizin verliehen worden.

Der Deutsche Preis für Notfallmedizin ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Sabine Blaschke, Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen. Die Jury zeichnete damit eine Medizinerin aus, die die Notfallmedizin in Deutschland über viele Jahre hinweg klinisch, wissenschaftlich und strukturell maßgeblich geprägt hat.
„Frau Prof. Blaschke steht wie kaum eine andere für die Verbindung von klinischer Expertise, wissenschaftlicher Innovation und strukturellem Gestaltungswillen“, betonte Prof. Dr. Jörg Christian Brokmann vom Organisationskomitee des DINK in seiner Laudatio. Mit „außerordentlichem Engagement, fachlicher Exzellenz und unermüdlicher Tatkraft“ habe sie die Notfallmedizin weiterentwickelt und nachhaltig gestärkt.

Nach dem Medizinstudium an der Ruhr-Universität Bochum und der Georg-August-Universität Göttingen absolvierte Prof. Dr. Sabine Blaschke die Facharztweiterbildungen für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie. Darüber hinaus erwarb sie die Zusatzweiterbildungen für Intensivmedizin, Notfallmedizin sowie Klinische Akut- und Notfallmedizin. Im Jahr 2003 folgte die Habilitation im Fachgebiet Innere Medizin. Seit 2012 leitet sie die Zentrale Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen, die sie seither strukturell und konzeptionell maßgeblich weiterentwickelt hat. 2024 nahm sie den Ruf auf die Universitätsprofessur für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin an der Universitätsmedizin Göttingen an. 

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer wissenschaftlichen Arbeit liegt auf der Digitalisierung in der Notfallmedizin – einem Bereich, der die Versorgungsstrukturen nachhaltig verändert. Prägend für ihr Wirken ist zudem ihr Einsatz für eine stärkere Vernetzung der beteiligten Berufsgruppen und Versorgungsbereiche. „Nicht zuletzt hat sie sich mit großem Einsatz für interdisziplinäre Zusammenarbeit starkgemacht. Sie hat Brücken geschlagen zwischen Präklinik und Klinik, zwischen Pflege, ärztlichem Dienst und Rettungsdienst, zwischen Forschung und Praxis“, würdigte sie Prof. Brokmann.

Der Deutsche Preis für Notfallmedizin ist mit 1.000 Euro dotiert und wird von der Firma GS Elektromedizinische Geräte G. Stemple GmbH, Kaufering, gestiftet. Zusätzlich stellt das Unternehmen einen Defibrillator im Wert von 2.500 Euro zur Verfügung.

Innovationspreis für Zentrum für Notfall- und Rettungsmedizin des Universitätsklinikums Freiburg

Erstmals wurde beim DINK zudem der Innovationspreis in der Notfallmedizin verliehen. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert und wurde in Kooperation mit der L2R GmbH ausgelobt. Ausgezeichnet werden praxisrelevante und zukunftsfähige Innovationen, die die Notfallmedizin – innerklinisch wie präklinisch – durch neue Technologien, Prozesse oder Organisationskonzepte nachhaltig weiterentwickeln.

Der Innovationspreis ging in diesem Jahr an das Zentrum für Notfall- und Rettungsmedizin im Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Jörg Busch mit dem dort entwickelten digitalen Ersteinschätzungsinstrument „Triage-Client“ für den Einsatz in Integrierten Notfallzentren (INZ).

Mittels der in der Sektion für Digitale Notfallmedizin um Dr. Felix Hans entwickelten Software „TriageClient“ werden Hauptbeschwerden und Vitalparameter wie Herzfrequenz oder Blutdruck an der zentralen Ersteinschätzungsstelle des INZ systematisch erfasst und ausgewertet. Das System unterstützt damit die Ersteinschätzung in der Notfallversorgung und hilft erfahrenen Pflegefachpersonen, Patientinnen und Patienten gleichzeitig einer passenden Dringlichkeitsstufe und einer passenden Versorgungsebene zuzuordnen – etwa in die Notaufnahme oder in eine Notdienstpraxis.

„Wir wollten mit diesem Preis gezielt Projekte sichtbar machen, die aus der Praxis der Notfallmedizin heraus entstehen, Abläufe verbessern und neue Lösungen für bestehende Herausforderungen entwickeln“, erklärte Dr. David Häske vom Organisationskomitee des DINK. Das Projekt aus Freiburg zeige beispielhaft, wie innovative digitale Werkzeuge helfen können, Patientinnen und Patienten schneller an den richtigen Ort der Versorgung zu bringen. „Gerade bei der Frage, ob eine Notaufnahme oder eine ambulante Versorgung die richtige Anlaufstelle ist, schafft die Software eine klare Struktur und entlastet damit sowohl Patientinnen und Patienten als auch das medizinische Personal.“

Mit den Auszeichnungen unterstreicht der DINK seinen Anspruch, sowohl herausragende Persönlichkeiten als auch innovative Konzepte sichtbar zu machen und die Weiterentwicklung der Notfallmedizin aktiv zu fördern.