Nürnberg/Hannover. Nachdem Medizinstudentinnen auf dem Deutschen Ärztetag öffentlich von sexualisierten Übergriffen im Rahmen der Veranstaltung berichtet hatten, haben sich der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten e. V. (BDA) und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) tief betroffen gezeigt und ein solches Verhalten ausdrücklich verurteilt. Nach den Angaben der Studentinnen umfassten die Vorfälle unter anderem Kommentare über ihr Äußeres, unerwünschte Berührungen an Rücken und Gesäß, Einladungen auf Hotelzimmer sowie diskriminierende und sexistische Gesprächssituationen.

Vor diesem Hintergrund verweisen die anästhesiologischen Verbände auf die Bedeutung transparenter und verlässlicher Strukturen in Weiterbildung und beruflichem Alltag, um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen wirksam entgegenzuwirken.

BDA-Präsidentin Prof. Dr. Grietje Beck erklärt dazu: „Die Berichte der Medizinstudentinnen über Grenzüberschreitungen und übergriffiges Verhalten auf dem Deutschen Ärztetag sind verstörend. So ein Verhalten ist absolut inakzeptabel! Zugleich zeigt es, wie wichtig ein professioneller und respektvoller Umgang gerade in Ausbildungs- und Weiterbildungsstrukturen ist. Die ärztliche Weiterbildung liegt mir persönlich besonders am Herzen. Gerade hier bestehen häufig besondere Abhängigkeits- und Hierarchiestrukturen. Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen deshalb nicht nur verlässliche organisatorische Rahmenbedingungen, sondern auch ein sicheres und respektvolles Arbeitsumfeld, in dem fachliche Entwicklung ohne Angst vor Grenzüberschreitungen oder Benachteiligungen möglich ist. Dass der Ärztetag nun über transparente Strukturen, unabhängige Anlaufstellen und den Umgang mit Machtmissbrauch in der Medizin diskutiert und hierzu weitere Maßnahmen anstößt, ist deshalb wichtig. Wer die Attraktivität der Weiterbildung und des Arztberufs langfristig stärken will, muss auch über Kultur, Haltung und Verantwortung sprechen.“

Prof. Dr. Alexander Schleppers, Hauptgeschäftsführer von BDA und DGAI, ergänzt: „Sexualisierte Grenzüberschreitungen und übergriffiges Verhalten sind durch nichts zu rechtfertigen – unabhängig davon, gegen wen sie sich richten und in welchem Umfeld sie stattfinden! Es ist mehr als alarmierend, dass die aktuellen Berichte junge Medizinstudentinnen betreffen, die sich berufspolitisch engagieren und die Zukunft der ärztlichen Selbstverwaltung mitgestalten wollen. Ein respektvoller und professioneller Umgang miteinander muss überall im medizinischen und berufspolitischen Umfeld selbstverständlich sein. Dass der Deutsche Ärztetag die Debatte aufgenommen und weitere Maßnahmen angestoßen hat, ist deshalb ein wichtiger, längst überfälliger Schritt.“