Kiel/Nürnberg. Wie können internationale Reanimationsregister noch enger zusammenarbeiten, Daten besser vergleichbar machen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Versorgung übertragen? Mit diesen Fragen haben sich am 8. und 9. Juni 2026 insgesamt 35 Expertinnen und Experten aus Europa, Nordamerika, Asien und Australien beim Treffen des Global Out-of-hospital-Cardiac-Arrest-Registry Network (GOHCAR) in Kiel befasst. Gastgeber waren die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) über das Deutsche Reanimationsregister sowie das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH).

Im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens standen der internationale Wissensaustausch, die Vernetzung der beteiligten Register und die Vorbereitung gemeinsamer Projekte zur Verbesserung der Reanimationsversorgung. Die vertretenen Netzwerke stellten aktuelle Daten, wissenschaftliche Ergebnisse, Publikationen und laufende Forschungsvorhaben vor. Beteiligt waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter aus dem europäischen EuReCa-Netzwerk des European Resuscitation Council (ERC), dem US-amerikanischen CARES-Register, PAROS aus Asien, Aus-ROC aus Australien und Neuseeland, CanROC aus Kanada sowie BASIC aus China.

„Das Treffen war fachlich und menschlich herausragend. Der intensive persönliche Austausch zeigt, wie groß das gemeinsame Interesse ist, voneinander zu lernen und die internationale Registerforschung konsequent weiterzuentwickeln“, sagt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des UKSH und Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters. „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Versorgung nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand weltweit messbar zu verbessern.“

Gemeinsame Standards für eine bessere Vergleichbarkeit

Ein Schwerpunkt der Beratungen lag auf der internationalen Harmonisierung der Datenerhebung. In einem Workshop diskutierten die Teilnehmenden die Entwicklung eines gemeinsamen Datenwörterbuchs, eines international abgestimmten Kerndatensatzes und eines regelmäßigen Benchmarking-Berichts. Einheitliche Falldefinitionen und Kodierungen sollen dazu beitragen, Unterschiede zwischen Versorgungssystemen präziser zu analysieren und erfolgreiche Strategien besser zu identifizieren.

Intensiv diskutiert wurde auch der Umgang mit Fällen, in denen Wiederbelebungsmaßnahmen vorzeitig beendet wurden. Eine möglichst einheitliche Erfassung solcher Situationen ist für die wissenschaftliche Interpretation von Registerdaten von besonderer Bedeutung. Ergänzend wurden Ergebnisse einer internationalen Konsensumfrage zu Einschlusskriterien und zur Kodierung von Wiederbelebungsmaßnahmen vorgestellt.

Künstliche Intelligenz als Werkzeug der Registerforschung

Ein weiterer zentraler Themenblock war die Nutzung Künstlicher Intelligenz. Die Teilnehmenden diskutierten, wie KI künftig zur intelligenten Datenerhebung, zur strukturierten Auswertung großer Datenmengen und zur Qualitätssicherung eingesetzt werden kann. Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, wie Unterschiede bei der Anwendung und Interpretation der sogenannten Utstein-Definitionen automatisiert erkannt und analysiert werden können.

Die Utstein-Empfehlungen bilden eine international anerkannte Grundlage für die standardisierte Dokumentation und den Vergleich von Reanimationsdaten. Eine konsistentere Umsetzung könnte die Aussagekraft internationaler Studien weiter erhöhen.

Darüber hinaus wurde die systematische Erfassung von Beatmungsdaten in Reanimationsregistern vorgestellt und erörtert. Solche Daten können künftig dazu beitragen, die Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen noch differenzierter zu bewerten.

Pädiatrische Reanimation stärker im Blick

Mit dem internationalen Kooperationsnetzwerk pediRES-Q wurde zudem eine Initiative zur Qualitätssicherung bei der Wiederbelebung von Kindern vorgestellt. Ziel des Netzwerks ist es, durch Forschung, Wissenstransfer und die Verbreitung optimaler Behandlungsstrategien die Überlebenschancen von Kindern nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu verbessern — sowohl im Krankenhaus als auch im präklinischen Umfeld.

Die Teilnehmenden vereinbarten, die besprochenen Themen in unterjährigen digitalen Treffen weiterzuentwickeln und konkrete gemeinsame Forschungsprojekte vorzubereiten. Damit soll die internationale Zusammenarbeit nicht nur bei den jährlichen Präsenztreffen, sondern kontinuierlich fortgeführt werden.
„Registerdaten entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie nicht isoliert betrachtet werden, sondern wenn wir sie international vergleichen und gemeinsam interpretieren“, betont Prof. Gräsner. „Gerade durch die Kombination aus wissenschaftlicher Zusammenarbeit, gemeinsamen Standards und neuen digitalen Möglichkeiten können wir entscheidende Fortschritte erzielen.“

Das nächste GOHCAR-Präsenztreffen ist für das Jahr 2027 in Vancouver, Kanada, geplant.


Das Global Out-of-hospital-Cardiac-Arrest-Registry Network (GOHCAR) wurde 2018 gegründet. Ziel ist es, die Zusammenarbeit großer internationaler Reanimationsregister zu stärken, wissenschaftliche Standards weiterzuentwickeln und gemeinsame Forschungsinitiativen anzustoßen. Die beteiligten Register erfassen und analysieren Daten zu Herz-Kreislauf-Stillständen, um Versorgungssysteme international vergleichbar zu machen und Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren.


Das Deutsche Reanimationsregister wird unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) geführt. Es erfasst Daten zur außerklinischen und innerklinischen Reanimationsversorgung und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung, Versorgungsforschung und Weiterentwicklung der Wiederbelebungsversorgung in Deutschland.