DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx mit den Geehrten der DGAI (v. oben li. nach unten re.): Prof. Dr. Frank Wappler (Ehrenmitglied), Prof. Dr. Șerban-Ion Bubenek-Turconi (Korrespondierendes Mitglied), Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner und Prof. Dr. Michael Sander (Anästhesie-Ehrennadel in Gold), Prof. Dr. Esther Miriam Pogatzki-Zahn und Prof. Dr. Christian Zöllner (Anästhesie-Ehrennadel in Silber), Prof. Dr. Peter Markus Spieth (Manfred-Specker-Medaille), Prof. Dr. Jörg Christian Brokmann (Rudolf-Frey-Medaille) sowie Dr. Ruth Hecker (Franz-Kuhn-Medaille).

Kassel. Im Rahmen ihres Jahreskongresses vom 16. bis 18. September 2026 in Kassel hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) neun Persönlichkeiten für deren besondere Verdienste um das Fach und die Fachgesellschaft ausgezeichnet. 

„Die diesjährigen Ehrungen zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig die Menschen unser Fach voranbringen – durch wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie durch die Entwicklung neuer Versorgungsstrukturen, die Förderung des Nachwuchses oder jahrzehntelanges Engagement für unsere Fachgesellschaft“, sagte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx während der Ehrungsveranstaltung. „Sie alle haben auf unterschiedliche Weise dazu beigetragen, die Anästhesiologie und Intensivmedizin weiterzuentwickeln und die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dafür danken wir ihnen ausdrücklich.“

Folgende Ehrungen wurden 2026 verliehen:

Zum Korrespondierenden Mitglied der DGAI wurde Prof. Dr. habil. Șerban-Ion Bubenek-Turconi, MD, PhD, FESAIC, aus Bukarest (Rumänien) ernannt. Der international renommierte Anästhesiologe und Intensivmediziner hat insbesondere die kardiovaskuläre Anästhesie und Intensivmedizin in Rumänien weiterentwickelt und war maßgeblich am Aufbau moderner Organunterstützungsverfahren beteiligt. Über viele Jahre engagierte er sich zudem in führenden Funktionen für die europäische Zusammenarbeit in der Anästhesiologie, unter anderem innerhalb der ESAIC. Mit der Ernennung würdigt die DGAI seine klinische und wissenschaftliche Arbeit sowie sein langjähriges Engagement für die internationale Vernetzung des Fachs. 

Zum Ehrenmitglied der DGAI wurde Prof. Dr. Frank Wappler, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin am Krankenhaus Köln-Merheim, ernannt. Als langjähriges Präsidiumsmitglied und DGAI-Präsident in den Jahren 2021 und 2022 führte er die Fachgesellschaft durch die besonderen Herausforderungen der COVID-19-Pandemie und trieb zugleich wichtige strukturelle Veränderungen voran. Dazu gehört insbesondere die Satzungsreform von 2022, mit der die DGAI für weitere Berufsgruppen geöffnet wurde. Darüber hinaus setzte er wichtige Impulse für die Förderung von Frauen im Fach sowie für die Weiterentwicklung des anästhesiologischen Kongresswesens. 

Die Anästhesie-Ehrennadel in Gold für seine herausragenden Verdienste um die Notfall- und Rettungsmedizin erhielt Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner aus Kiel, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Als langjähriger Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters hat er dessen Aufbau und Weiterentwicklung maßgeblich geprägt und die Reanimationsforschung national wie international vorangetrieben. Mit der Resuscitation Academy Deutschland initiierte er zudem ein Programm zur systematischen Verbesserung der Reanimationsversorgung. Innerhalb der DGAI hat er die Notfallmedizin über mehr als zwei Jahrzehnte in unterschiedlichen Funktionen mitgestaltet. 

Ebenfalls mit der Anästhesie-Ehrennadel in Gold wurde Prof. Dr. Michael Sander, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen, ausgezeichnet. Seine klinische und wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich insbesondere auf die Intensiv- und perioperative Medizin, das hämodynamische Management und die Patientensicherheit. Für die DGAI hat er zahlreiche Leitlinien mitentwickelt und koordiniert und damit wesentlich dazu beigetragen, wissenschaftliche Erkenntnisse in evidenzbasierte Standards der klinischen Versorgung zu überführen. Darüber hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren für die europäische Vernetzung und Weiterentwicklung der Intensivmedizin. 

Die Anästhesie-Ehrennadel in Silber erhielt Prof. Dr. Esther Miriam Pogatzki-Zahn von der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster. Die Schmerzmedizinerin verbindet Grundlagen-, klinische und Versorgungsforschung und hat insbesondere das Verständnis und die Behandlung akuter und chronischer postoperativer Schmerzen weiterentwickelt. Hervorzuheben ist ihre Arbeit an evidenzbasierten Leitlinien, darunter die Koordination der S3-Leitlinie zur Behandlung akuter perioperativer und posttraumatischer Schmerzen, sowie ihr langjähriges Engagement für die Schmerzmedizin innerhalb der DGAI. 

Eine weitere Anästhesie-Ehrennadel in Silber ging an Prof. Dr. Christian Zöllner aus Hamburg. Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf engagiert sich seit vielen Jahren in wissenschaftlichen Gremien der DGAI sowie als Landesvorsitzender der Fachgesellschaft in Hamburg. Wissenschaftlich beschäftigt er sich unter anderem mit Schmerzmechanismen sowie postoperativen kognitiven Störungen und Delir. Zudem wirkt er an evidenzbasierten Empfehlungen zur perioperativen Medizin und an der Weiterentwicklung der ärztlichen Fort- und Weiterbildung mit. 

Die Manfred-Specker-Medaille für Verdienste um den wissenschaftlichen Nachwuchs erhielt Prof. Dr. Peter Markus Spieth, stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie und Gründungsdirektor des Interdisziplinären Zentrums für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Dresden. Der Intensivmediziner wird insbesondere für seinen herausragenden Einsatz als Mentor im Nachwuchsförderungsprogramm der DGAI ausgezeichnet. Er verbindet dabei eigene wissenschaftliche Exzellenz und internationale Forschungserfahrung mit einer langfristigen und persönlichen Begleitung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. 

Mit der Rudolf-Frey-Medaille hat die DGAI Prof. Dr. Jörg Christian Brokmann, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik RWTH Aachen, für seine besonderen Verdienste um die Notfallmedizin ausgezeichnet. Sein Engagement gilt insbesondere der strukturellen Weiterentwicklung der präklinischen und innerklinischen Akut- und Notfallversorgung. Dabei hat er unter anderem innovative telemedizinische Ansätze in der Notfallmedizin vorangetrieben und sich über viele Jahre für eine stärker vernetzte und interprofessionell ausgerichtete Notfallversorgung eingesetzt. 

Die Franz-Kuhn-Medaille erhielt Dr. Ruth Hecker für ihren langjährigen Einsatz für Patientensicherheit und klinisches Risikomanagement. Als Chief Patient Safety Officer der Universitätsmedizin Essen beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Versorgungsstrukturen und Sicherheitskultur so gestaltet werden können, dass Risiken frühzeitig erkannt und Patientinnen und Patienten besser geschützt werden. Viele Jahre wirkte sie in leitender Funktion im Aktionsbündnis Patientensicherheit und initiierte unter anderem die Kampagne „Deutschland erkennt Sepsis“. Mit der Verleihung der Franz-Kuhn-Medaille würdigte die DGAI insbesondere ihren systemischen und konsequent patientenzentrierten Ansatz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung.