Kassel. Im Rahmen des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) ist die Arbeitsgruppe Strukturfragen der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften Notärzte Deutschlands (BAND) mit dem Rudolf-Frey-Preis für Notfallmedizin 2026 ausgezeichnet worden. Der von der Narcotrend-Gruppe, Hannover, gestiftete Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und würdigt herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Notfallmedizin.
Ausgezeichnet wurde die im Fachjournal „Die Anaesthesiologie“ veröffentlichte Arbeit „Eintreffzeiten des Rettungsdienstes bei außerklinischem Herz-Kreislauf-Stillstand – überlebensrelevante Unterschiede zwischen den Bundesländern in Deutschland“. Beteiligt waren Prof. Dr. med. Matthias Fischer, Dr. med. Ulf Harding, PD Dr. med. Harald Genzwürker, PD Dr. med. Stephan Seewald, Dr. med. Peter Gretenkort und Dr. med. Florian Reifferscheid. Matthias Fischer und Ulf Harding teilen sich die Erstautorenschaft.
Die Studie untersuchte anhand von Daten des Deutschen Reanimationsregisters, wie schnell Rettungsmittel bei einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand in den verschiedenen Bundesländern eintreffen und welchen Einfluss diese Zeiten auf das Überleben haben. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, welche durch die verschiedenen Rettungsdienstgesetze der Länder bedingt sind. Kürzere Eintreffzeiten waren mit besseren Überlebenschancen und einer besseren neurologischen Erholung verbunden.
Besonders relevant sind nach Einschätzung der Autoren bereits Unterschiede von wenigen Minuten: Eine Verzögerung der Team-Eintreffzeit um fünf Minuten war in der Analyse mit einer um 19 Prozent geringeren Chance auf ein Überleben mit guter neurologischer Erholung verbunden. Somit ist nicht allein die Zeit bis zum Eintreffen des ersten Fahrzeuges des Rettungsdienstes entscheidend, sondern auch die Zeit, zu der das Team aus Rettungsfachpersonal und Notärztin bzw. Notarzt komplett ist. Die Autoren sehen deshalb Handlungsbedarf bei der rettungsdienstlichen Versorgung und fordern eine gesellschaftliche und politische Diskussion über einheitliche Schutzziele und mögliche gestufte Versorgungssysteme.
Wissenschaftliche Leistungen sichtbar machen
Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“
Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der anästhesiologischen Forschung steckt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, die Medizin von morgen und damit die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“
Die DGAI gratuliert der Arbeitsgruppe Strukturfragen der BAND und allen an der ausgezeichneten Arbeit beteiligten Autoren herzlich und dankt der Narcotrend-Gruppe, Hannover, für ihr Engagement zur Förderung der notfallmedizinischen Forschung.
