Die DGAI hat Dr. med. Britta Westhus vom Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum mit dem DGAI-Forschungsstipendium der Fresenius-Stiftung 2026 ausgezeichnet.

Kassel. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) hat Dr. med. Britta Westhus vom Knappschaft Kliniken Universitätsklinikum Bochum mit dem DGAI-Forschungsstipendium der Fresenius-Stiftung 2026 ausgezeichnet. Das mit 15.000 Euro dotierte Stipendium fördert hervorragende Forschungsarbeiten aus der Grundlagenforschung und der klinischen Forschung.

Dr. Britta Westhus erhielt die Auszeichnung für ihre Arbeit „Mechanismen des beeinträchtigten Proteinimports des mitochondrialen Transkriptionsfaktors A (TFAM) in der Sepsis: Hinweise einer Dysfunktion der ATP-abhängigen Matrixproteine“. Darin untersucht sie Vorgänge in den Mitochondrien, den sogenannten Kraftwerken unserer Zellen, deren Funktion bei einer Sepsis gestört ist. Eine zentrale Rolle spielt dabei der mitochondriale Transkriptionsfaktor TFAM, der die mitochondriale Biogenese induziert, durch die sich Mitochondrien von einer solchen Funktionsstörung erholen können. Damit TFAM diese Aufgabe erfüllen kann, muss das im Zellkern gebildete Protein zunächst als Vorstufe in das Innere der Mitochondrien transportiert werden.

Vorarbeiten der Arbeitsgruppe hatten bereits darauf hingedeutet, dass TFAM in der Sepsis in den Mitochondrien vermindert ankommt. In einem sepsisähnlichen Zellmodell untersuchte Frau Dr. Westhus deshalb, an welcher Stelle dieser Proteintransport von TFAM ins Stocken gerät. So zeigte sie, dass TFAM zwar bis zur inneren Mitochondrienmembran vordringt, dort jedoch an der Importmaschinerie, dem sogenannten PAM-Komplex, hängen bleibt. Gleichzeitig waren diejenigen Enzyme, sogenannte Metalloproteasen, die TFAM im Inneren der Mitochondrien normalerweise in seine reife, funktionsfähige Form überführen, reduziert. 

Die Ergebnisse deuten daher darauf hin, dass es sich weniger um eine reine Importstörung als vielmehr um eine gestörte Prozessierung von TFAM innerhalb der Mitochondrien handelt. Weitere Untersuchungen sollen nun helfen, diese Mechanismen genauer aufzuschlüsseln und mögliche therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren.

Britta Westhus wurde 1995 in Gelsenkirchen geboren und studierte Humanmedizin an der Ruhr-Universität Bochum. Bereits ihre mit „summa cum laude“ ausgezeichnete Promotion beschäftigte sich mit der Rolle von TFAM bei Sepsis. Heute arbeitet sie als Assistenzärztin an der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie des Knappschaft Kliniken Universitätsklinikums Bochum und ist dort zugleich als Clinician Scientist tätig. 

Im Rahmen der Preisverleihung betonte DGAI-Präsident Prof. Dr. Gernot Marx die Bedeutung wissenschaftlicher Auszeichnungen für die Weiterentwicklung des Fachgebiets: „Fortschritt in der Medizin beginnt mit guten Ideen. Mit ihren Preisen und Stipendien macht die DGAI herausragende wissenschaftliche Leistungen sichtbar und fördert eine Forschungskultur, die neue Perspektiven für die Versorgung von Patientinnen und Patienten eröffnet.“

Kongresspräsident Prof. Dr. Ralf Muellenbach hob die Rolle des Jahreskongresses als Plattform für wissenschaftlichen Austausch hervor: „Der DGAI-Jahreskongress bringt die klügsten Köpfe unseres Fachs zusammen. Auszeichnungen wie diese zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial in der anästhesiologischen Forschung steckt und wie wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, die Medizin von morgen und damit die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln.“

Die DGAI gratuliert Dr. Britta Westhus herzlich zum DGAI-Forschungsstipendium 2026 und dankt der Fresenius-Stiftung für die Förderung der anästhesiologischen Forschung.