Mit tiefer Trauer nimmt die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) Abschied von ihrem Ehrenmitglied und früheren Präsidenten Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus Peter, der am 27. Januar 2026 im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert die deutsche Anästhesiologie einen Gestalter, Visionär und Mentor – und damit eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte.
Prof. Klaus Peter wurde am 14. September 1938 in Zobten in Oberschlesien geboren. Nach dem Studium der Humanmedizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promovierte er 1967 und erhielt 1968 die Approbation. Seine Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie absolvierte er am Institut für Anästhesiologie der Universität Heidelberg und schloss sie 1972 ab. Im selben Jahr habilitierte er sich in Mannheim, wo er bis 1976 am Aufbau eines der damals modernsten Institute für Anästhesiologie maßgeblich beteiligt war.
1976 folgte Prof. Peter dem Ruf auf den Lehrstuhl für Anästhesiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und leitete die Klinik für Anästhesiologie bis zum Jahr 2007 über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. In einer Phase, in der die Anästhesiologie noch um ihre Rolle und Sichtbarkeit rang, vermittelte er dem Fach ein klares, selbstbewusstes Profil – wissenschaftlich fundiert und interdisziplinär verankert. Festes Fundament war hierbei immer die gelebte Kooperation mit den operativen Partnern. In Würdigung seiner Verdienste um die Zusammenarbeit der Fachgebiete und Fachgesellschaften Chirurgie und Anästhesiologie verlieh die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) Prof. Peter im Jahr 2001 – als erstem Anästhesiologen überhaupt – die Ehrenmitgliedschaft, eine Ehrung, auf die er zeitlebens immer besonders stolz zurückblickte.
Sein klinisches und wissenschaftliches Wirken umfasste die gesamte Breite des Faches von der Anästhesie über Intensiv- und Notfallmedizin bis zur Schmerz- und Palliativmedizin. Forschungsschwerpunkte wie Sepsis, akutes Lungenversagen, neuronale Funktionen und Transfusionsmedizin verband er konsequent mit dem Anspruch einer bestmöglichen Patientenversorgung. Während seiner Amtszeit wurden mehr als 1,5 Millionen Patientinnen und Patienten anästhesiologisch betreut – bei zugleich kontinuierlich sinkenden Komplikationsraten und einem hohen Qualitätsanspruch, der bis heute nachwirkt.
Darüber hinaus übernahm Prof. Peter zentrale Verantwortung für die akademische Medizin. Als Ärztlicher Direktor des Klinikums Großhadern (1983–1989) und später des LMU-Klinikums (2005–2007) sowie als Dekan der Medizinischen Fakultät (1989–2005) setzte er nachhaltige strukturelle Impulse. In seine Amtszeit fielen unter anderem die Fusion der beiden Münchner LMU-Universitätskliniken, die Entwicklung des Biomedizinischen Zentrums sowie die Etablierung des Zentrums für Palliativmedizin. Ein besonderer Meilenstein war die Einführung des Münchner Curriculum Medizin (MeCuM), das die medizinische Ausbildung an der LMU grundlegend modernisierte und international anschlussfähig machte. Die enge Kooperation mit sowie die Stiftung des „Klaus Peter Award for International Medical Education“ durch die Harvard Medical School, Boston, unterstrichen die internationale Ausstrahlung dieses Engagements.
Prof. Klaus Peter war der DGAI über Jahrzehnte eng verbunden und hat ihre Entwicklung maßgeblich mitgestaltet. Seit seinem Eintritt in die Fachgesellschaft im Jahr 1971 übernahm er Verantwortung auf zentraler Ebene – als Vorsitzender des Landesverbands Bayern der DGAI (1979–1980, 1983–1984), Präsident der DGAI (1987/88) sowie als Kongresspräsident des Zentraleuropäischen Anästhesiekongresses (1987) sowie des Deutschen Anästhesiekongresses (1988) in München. Als Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (seit 1992) und zahlreicher weiterer wissenschaftlicher Fachgesellschaften und Verbände sowie als langjähriger Herausgeber oder Mitherausgeber angesehener wissenschaftlicher Zeitschriften (u. a. Der Anaesthesist, European Journal for Intensive Care Medicine, Current Opinion in Anesthesiology, Evidence-Based Medicine, Survey of Anesthesiology oder Infusionstherapie & Transfusionsmedizin) entwickelte er sich rasch zu einer der herausragendsten akademischen Persönlichkeiten unseres Faches seit Gründung der Fachgesellschaft im Jahr 1953.
Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der DGAI im Jahr 2003 war Ausdruck der besonderen Wertschätzung für einen Anästhesiologen, der die DGAI und die deutsche Anästhesiologie nachhaltig geprägt hat. Viele ehemalige und aktuelle Lehrstuhlinhaberinnen und Lehrstuhlinhaber sowie Chefärztinnen und Chefärzte zählen zu seinen Schülerinnen und Schülern und haben das Fach in den vergangenen Jahren in seinem Sinne weiterentwickelt.
Neben all seinen Ämtern und Auszeichnungen – darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, der Bayerische Verdienstorden und zahlreiche Ehrenmitgliedschaften – wurde Prof. Peter vor allem als Mensch geschätzt: als kluger Ratgeber, charmanter Überzeuger und aufmerksamer Mentor. Seine Fähigkeit, große Visionen mit langfristiger Konsequenz zu verfolgen, verband sich mit einem feinen Gespür für den richtigen Moment und einer klaren Haltung.
Mit Prof. Klaus Peter ist – wenige Tage nach Prof. Klaus van Ackern – ein weiterer Titan der deutschen Anästhesiologie von uns gegangen. Sein Lebenswerk bleibt untrennbar mit der Entwicklung unseres Faches verbunden. Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie der Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten verneigen sich in Dankbarkeit und Respekt vor einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.
