Eine neue S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter - Eine transsektoral umsetzbare, interdisziplinär-interprofessionelle Leitlinie zu Delir-Prävention, -Diagnostik und –Therapie beim alten Menschen“ wurde veröffentlicht.

Die Leitlinie wurde federführend von der  Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) erstellt.

Auch die DGAI war an der Erstellung beteiligt.

Im Zuge der steigenden Lebenserwartung in unserer Gesellschaft steigt parallel die Anzahl hochaltriger Menschen. Aufgrund der abnehmenden Reservekapazität von Organen und Kognition im Alter steigt die Inzidenz von Delirien bei Menschen ab 70 Jahren exponentiell an. Betroffen ist sowohl der stationäre (v.a. nach Operationen, bei akutinternistischen Behandlungen, auf Intensivstationen, Palliativversorgung) als auch der ambulante Sektor (v.a. Pflegeheime, häusliche Pflege). Die Prognose des Delirsyndroms ist gerade im Alter sehr ungünstig: Es geht mit erhöhter Morbidität, Mortalität, kognitiven Einschränkungen, rascherer Demenzprogression und häufigerer Institutionalisierungsrate einher und beeinträchtigt damit die Lebensqualität der betroffenen Patienten und ihrer Angehörigen erheblich. Zudem steigen dadurch die Kosten der Kranken- und Pflegeversicherung. Obwohl das Delir-Syndrom seit langem beschrieben ist und verschiedene validierte Screeninginstrumente vorliegen, wird das Delir häufig nicht erkannt. Mangelndes Wissen zur Abgrenzung anderer kognitiver Einschränkungen und über mögliche Delir-Auslöser ist hier als Hauptursache zu nennen. Ebenso fehlt es an der Umsetzung von evidenzbasierten, interdisziplinär-interprofessionell getragenen, strukturierten Programmen zur Reduktion der Delirhäufigkeit im Krankenhaus oder in Senioreneinrichtungen, mit denen mindestens 30% der Delirien vermeidbar wären.

Ziel der neuen S3-Leitlinie ist eine professionelle und flächendeckende Delirerkennung und -vermeidung bei erwachsenen, zumeist über 60 Jahre alten Menschen. Der Fokus liegt auf dem nicht-substanzbezogenen Delir (ICD10: F05) außerhalb des intensivmedizinischen Behandlungssettings. Berücksichtigt werden dabei insbesondere primäre und sekundäre Delirprävention, -diagnostik und -management mit pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Maßnahmen. Neben den an der Versorgung älterer Menschen beteiligter Berufsgruppen sollen auch Patienten und Angehörige über Delirvermeidung und -begleitung informiert werden.

 

Version 1.0

Veröffentlicht am: 07.01.2026
Stand: 30.04.2025
gültig bis: 29.04.2029

 

Sie finden die Leitlinie ab sofort im Register der AWMF