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Anästhesisten sorgen oft unbemerkt für Patientensicherheit

17. September 2019

Internationaler Aktionstag heute - Narkoseärzte sind „Scout“ und „Bodyguard“ rund um eine Operation

Nürnberg.
„Im Laufe eines Krankenhausaufenthaltes gibt es für einen Patienten immer wieder Momente, in denen er einer erhöhten Gefahr ausgesetzt ist“, sagt Professor Rolf Rossaint, Facharzt für Anästhesiologie und Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI). „Das lässt sich auch nicht immer vermeiden“, erklärt der Arzt weiter. Was für den Außenstehenden sehr besorgniserregend klingt, ist den Medizinern aber sehr bewusst und sie wissen, diese Gefahren vorauszusehen und zu bewältigen. Am heutigen internationalen „Tag der Patientensicherheit“ wollen sie auf diesen Zusammenhang besonders aufmerksam machen.

„Sicherheit“ spielt für den Anästhesisten eine Rolle, schon lange bevor der Patient in den OP kommt: „Im Narkosevorgespräch werden mit dem Patienten alle Fragen besprochen, die für eine passende und sichere Narkose wichtig sind“, beschreibt Rossaint das Vorgehen. Dabei geht es um zum Beispiel um die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, den Grad an körperlicher Belastbarkeit, mögliche Atemnot bei Anstrengung oder auch bekannte Allergien: „Wir wollen alle Gefahren kennen, damit wir sie noch vor dem Eingriff eindämmen oder beseitigen oder dann während der Narkose sicher darauf reagieren können.“ Das gehe bis zu der Entscheidung, einen Patienten im Augenblick nicht zu operieren, sondern zuerst seinen gesundheitlichen Zustand zu verbessern.

Gefahr durch Narkosen ist äußerst gering

In deutschen Krankenhäusern bekommen pro Jahr etwa 17 Millionen Menschen eine Narkose. Die Gefahr für gesunde Menschen, durch die Narkose einen lebensbedrohlichen gesundheitlichen Schaden zu erleiden oder sogar zu versterben, liegt bei sieben zu einer Million: „Jeder Zwischenfall ist ganz sicher einer zu viel“, ist sich Rossaint bewusst. „Aber dieser Wert ist schon jetzt sehr sehr niedrig.“

Zu dieser hohen Sicherheit beitragen haben auch die vielen Empfehlungen, Leitlinien, Kampagnen und Checks, die in der Anästhesie im Laufe der Jahre erarbeitet wurden und täglich angewendet werden. Wie zum Beispiel auch der mehrfache Check aller Geräte vor Beginn einer Narkose: „Eine Narkose ist vergleichbar mit einem Flug“, sagt Rossaint. „Und auch ein Flug kann nur dann sicher sein, wenn vor dem Start alle Systeme überprüft wurden.“

Lückenlose Überwachung im OP

Während der Narkose wird der Patient lückenlos überwacht, durch den Anästhesisten, zusätzlich durch eine Anästhesieschwester oder einen Anästhesiepfleger und durch jede Menge Technik: Neben dem Narkosegerät im Operationssaal hängt ein Monitor, auf dem das EKG, die Herzfrequenz, der Blutdruck und die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff dargestellt werden. Rossaint erklärt: „Weicht einer dieser Werte von der Normalität ab, ertönt direkt ein Warnton.“ Ebenso unersetzlich ist der erfahrene Blick des Narkosearztes, um einzuschätzen, wie die Operation verläuft und ob es möglicherweise Schwierigkeiten gibt, zum Beispiel durch einen erhöhten Blutverlust: „Auch dann greift der Anästhesist ein und hat eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Gefahr abzuwenden und die Sicherheit für den Patienten wiederherzustellen.“

Der Narkosearzt sei für viele Menschen nur der Arzt, der sie während eines Eingriffs „schlafen“ lässt, weiß Professor Rossaint. Dass der Anästhesist rund um den operativen Eingriff aber so etwas wie einen „Scout“, einen „Bodyguard“ oder einen „Garanten für Sicherheit“ verkörpert, ist den meisten Patienten nicht bewusst. Diese intensive Betreuung im Sinne der Sicherheit reicht weit über einen Eingriff hinaus, bis zur Rückkehr des Operierten auf die Normalstation: Kommt es hier beispielsweise zu Kreislaufproblemen und kann der Operateur nicht zu seinem Patienten kommen, weil er noch operieren muss, kann es wieder der Anästhesist sein, der von der Stationsschwester alarmiert wird und den Betroffenen zügig stabilisiert und versorgt: „Wir Narkoseärzte arbeiten an vielen Stellen im Krankenhaus für die Sicherheit des Patienten“, sagt Rossaint. Auch wenn dies meistens unauffällig, automatisch und routiniert geschieht, ist es den Anästhesisten aber immer ein ganz besonderes Anliegen - nicht nur am internationalen „Tag der Patientensicherheit“ ...


AED-Apparate

05.09.2019

AED-Apparate erst dann holen, wenn Herzdruckmassage ausgeführt wird

Notärzte weisen auf die richtige Reihenfolge der Maßnahmen bei plötzlichem Herztod hin - „Woche der Wiederbelebung“ im September

Nürnberg. Kompakte gelbe, rote oder grüne Elektroschockgeräte in transparenten Wandkästen sind inzwischen ein bekanntes Bild in Schwimmbädern, Stadtverwaltungen und Flughäfen.

Anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ vom 16. bis zum 22. September 2019 weisen deutsche Notärzte nun auf eine vermeidlich falsche Anwendung dieser "Automatischen Externen Defibrillatoren“, kurz AED, hin: „Im Notfall ist es wichtig, direkt mit der Herzdruckmassage zu beginnen und nicht stattdessen erst nach einem AED zu suchen!“, sagt Professor Dr. med. Jan-Thorsten Gräsner von der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI) mit weit über 15.000 Blaulicht-Notärzten als Mitglieder.

Die AED-Geräte lösen auf Knopfdruck über Klebeelektroden einen elektrischen Schock aus, wenn sie bei einem bewusstlosen Patienten sogenanntes Kammerflimmern oder aber einen zu schnellen, gefährlichen Herzschlag feststellen. Bei allen anderen Formen des Herzstillstandes wird hingegen kein Schock gegeben.

Immer wieder bedenkliche Fälle

​„Ein solches Gerät sollte aber nur dann geholt werden, wenn genügend Helfer vor Ort sind, die bei einem Patienten schon Herzdruckmassage ausführen“, sagt Gräsner. Denn immer wieder erleben die Notfallmediziner sehr bedenkliche Fälle, in denen der Patient über Minuten ohne lebensrettende Herzdruckmassage bleibt, weil die Helfer erst ein AED-Gerät besorgen und sich dann auch noch lange mit der Anwendung vertraut machen: „Die Zellen im menschlichen Gehirn sterben nach fünf Minuten ohne Kreislauf und Sauerstoff unwiederbringlich ab“, macht Gräsner deutlich. Deshalb sei es so wichtig, erst einmal Herzdruckmassage auszuführen, 100-mal pro Minute das Brustbein des Patienten nach unten zu drücken, bis der Rettungsdienst eintrifft. Frei nach dem Motto „Prüfen, rufen, drücken“ der DGAI-Kampagne „Ein Leben retten“. Durch die Herzdruckmassage wird ein Minimalkreislauf in Gang gebracht und aufrechterhalten: "Erst dann kommt der AED ins Spiel", erklärt Notarzt Gräsner weiter. "Das heißt, wenn ich genügend Helfer habe, jemand Zeit hat, den Defibrillator zu holen, dann ist er eine wunderbare Ergänzung. Er ersetzt aber ganz klar nicht die Basismaßnahmen!“ Es sei falsch zu glauben, dass die Apparate allein einen Patienten in jedem Fall wieder lebendig machen könnten.

Was bei einem Herzstillstand zu tun ist und in welcher Reihenfolge die Notfallmaßnahmen zu ergreifen sind, wird auch in diesem Jahr wieder in der „Woche der Wiederbelebung“ vermittelt, zu der Bundesgesundheitsminister Spahn erneut die Schirmherrschaft übernommen hat. In dieser Woche können Bürger verstärkt Herzdruckmassage lernen oder ihr Können auffrischen und auch die Handhabung eines AED-Gerätes üben. Angeboten werden die Aktionen zum Beispiel in Fußgängerzonen, Verwaltungen und Krankenhäusern. Die Kampagne wird im Internet sowie von Zeitungen, Radio und Fernsehen mit vielen Beiträgen und Interviews begleitet.